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energate Gasmarkt Ausgabe 01|2023

Thema des Monats: Jahresrückblick und Ausblick

Dr. Heiko Lohmann Dr. Heiko Lohmann

Hoffentlich sind Sie alle gut ins neue Jahr gekommen! Mal sehen, welche Turbulenzen es mit sich bringt und ob Gas weiter im öffentlichen Fokus stehen wird. Am Samstag, den 17. Dezember, war noch einmal ganz großes politisches Kino. Die Einweihung der FSRU „Hoegh Esperanza“ in Wilhelmshaven war ein echter Staatsakt. Sowohl Bundeskanzler Olaf Scholz als auch die beiden Bundesminister Christian Lindner (Finanzen) und Robert Habeck (Wirtschaft und Klimaschutz) waren anwesend. Dazu der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil. 2022 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem der Gasmarkt Teil der allgemeinen öffentlichen Aufmerksamkeit war. Speicherfüllstände sind regelmäßige Meldung in der „Tagesschau“gewesen.

Und die LNG-Schiffe werden nicht nur im Wirtschaftsteil, sondern im Politikteil von Zeitungen behandelt. Gas war eines der zentralen politischen Themen 2022, weil die Gaskrise mit extremen Preisanstiegen und der Sorge vor Versorgungsengpässen Bürger existenziell betroffen hat. Die Tatsache, dass es die „Gaspreisbremse“ immerhin auf Platz drei bei der Wahl zum Wort des Jahres geschafft hat, unterstreicht die Bedeutung des Themas.

Deshalb signalisieren die Spitzenpolitiker mit ihrer Anwesenheit in Wilhelmshaven auch die politische Handlungswilligkeit bei der Sicherung der Versorgung. Der Staat hat 2022 massiv in die Märkte interveniert. Ob dies wirklich immer hilfreich war und ist, wird das kommende Jahr zeigen.

Zeigen wird sich dies auch an dem Deckel für den TTF-Großhandelspreis, der nach monatelangen Diskussionen am 19. Dezember grundsätzlich beschlossen wurde. In dem Fall gehörte Deutschland nicht in das Lager der „Capper“ und hat sich lange gegen die Einführung des Preisdeckels gewehrt. Der „Preiskorrekturmechanismus“, so die offizielle Bezeichnung, ist nun an allerlei Bedingungen und Vorab-Prüfungen gebunden. Ich habe dies in diesem Heft skizziert. Aber der Preisdeckel wird sicher nicht das Vertrauen in den europäischen Handelsmarkt stärken, was ein Problem darstellen könnte. Ab dem 15. Februar soll er gelten. Zu sehen, ob und wie er funktioniert, wird eines der spannenden Themen im ersten Quartal 2023 sein.

Fangen Sie trotz aller Herausforderungen das Jahr gut an!

THEMA DES MONATS: Jahresrückblick und Ausblick

Im Grunde ist der Rückblick auf die Höhepunkte des Jahres 2022 ein ziemlich sinnloses Unterfangen. Das ganze Jahr war ein einziger Höhepunkt (besser vermutlich Tiefpunkt). Ich hatte schon bei einem Vortrag Ende März (absurderweise beim European Power Network in der Schweiz) gesagt, in diesem Jahr sei die deutsche Gaswirtschaft dreier Grundwahrheiten verlustig gegangen: Russland ist unter allen Umständen ein verlässlicher Lieferant, Gasversorgungssicherheit ist ohne staatliche Intervention möglich und liberalisierte Märkte sorgen für einen liquiden Handel, Wettbewerb und wettbewerbsfähige Preise.

Ich weiß, Punkt zwei und drei wurden auch in Deutschland immer mal wieder infrage gestellt (mit einem liberalisierten Markt hat die deutsche Gaswirtschaft lange gefremdelt). Und vor allem unsere polnischen Nachbarn haben an diesen Grundüberzeugungen, insbesondere natürlich an Punkt eins, immer gezweifelt (und sind nun durchaus zufrieden, dass in Deutschland die Zweifel geteilt werden). Zu jedem der Punkte im Folgenden der Versuch einiger zusammenfassender Bemerkungen.

Goodbye Russia - Der Ukrainekrieg stellt auch gaswirtschaftlich für Deutschland und Europa eine Zäsur dar. Wobei die Entwicklung der Diskussionen und der Ereignisse im Verlauf des Jahres schon extrem bemerkenswert ist: Nach Ausbruch des Krieges wurde die Möglichkeit eines Boykotts russischen Gases heftig und kontrovers diskutiert...

Gaspreisdeckel im Großhandelsmarkt

Am 19. Dezember haben sich die Mitgliedsstaaten der EU bei einer letzten Sitzung des Rates der Energieminister im Jahr 2022 auf einen Deckel für den börsennotierten (ICE Endex) Frontmonatspreis geeinigt. Offiziell handelt es sich um einen temporären „Marktkorrekturmechanismus“. Deckel für den Frontmonatspreis ist die sehr verkürzte Version. Wie wirkt der Mechanismus? Wenn der Month-Ahead-Preis an der Energiebörse ICE Endex an drei Werktagen höher als 180 Euro/MWh oder 35,00 Euro/MWh über einem „Referenzpreis“ liegt, sollen regulierte Handelsplätze (Energiebörsen) für alle Produkte bis zum Ende der Laufzeit des Frontjahres keine Transaktionen mehr ausführen zu einem Preis höher als dem Referenzpreis plus 35 Euro/MWh. Der Mechanismus soll mindestens 20 Tage in Kraft sein...

BNetzA-Warnindikatoren

Die BNetzA veröffentlicht schon seit Monaten Berichte und Daten zur jeweils aktuellen Lage der Gasversorgung. Seit Ende November hat sie diese Daten zu fünf Indikatoren verdichtet, die der allgemeinen Öffentlichkeit zeigen sollen, wie nah oder wie fern Deutschland noch von der Notfallstufe entfernt ist. Für jeden der Indikatoren gibt es drei Zustände, das naheliegende Ampelsystem wurde aber verworfen. Stattdessen heißen diese stabil, angespannt oder kritisch. Es gibt aber keinerlei Automatismus zwischen dem Zustand der Indikatoren und einem Ausrufen der Notfallstufe...