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energate Gasmarkt Ausgabe 06|2022

Thema des Monats: Gazprom Export versus Gazprom Germania

Dr. Heiko Lohmann Dr. Heiko Lohmann

Seit der März-Ausgabe ergibt sich das Thema des Monats von alleine: Die deutsch/europäisch-russischen Gasbeziehungen. In jedem Monat gibt es neue Entwicklungen, die für die deutsche und europäische Gasversorgung von großer Bedeutung sind. Das Problem: Diese Bedeutung und die genauen Auswirkungen erschließen sich einem häufig nur bedingt. Dies gilt insbesondere für das gesamte Thema der Beziehungen zwischen Gazprom Export, Gazprom Germania (GPG) und jetzt auch der Bundesregierung, beziehungsweise der BNetzA als Treuhänder. In der letzten Ausgabe habe ich über die bizarren Entwicklungen ausführlich berichtet, in dieser Ausgabe gibt es die Fortsetzung. Die russische Seite hat auf die Anordnung der treuhänderischen Verwaltung der GPG reagiert und per Dekret Gazprom Export Geschäfte mit den allermeisten Gesellschaften der GPG-Gruppe untersagt. Dies wirft mehr Fragen auf, als es Antworten bringt. Im Thema des Monats versuche ich mich an Antworten, die allerdings zu einem nicht unerheblichen Teil einen spekulativen Anteil haben.

Im Mai wurde deutlich, was Speicherreserven kosten, wenn der Staat sie fordert. Österreich hat für eine strategische Reserve von sieben TWh Arbeitsgasvolumen eine knappe Mrd. Euro bezahlt. In Deutschland kostet die erste Ausschreibung der Strategic Storage-Based Options 370 Mio. Euro. Beide Produkte sind allerdings nicht vergleichbar. Angesichts der aktuellen Marktsituation hätte man vermutlich auf beide Verfahren verzichten können. Es bestehen erhebliche Anreize einzuspeichern. Die Handlungsmöglichkeiten der Unternehmen werden allein durch die begrenzten Möglichkeiten, dies zu finanzieren, eingeschränkt. Angesichts der Preise, Volatilitäten und Marktrisiken ist die Finanzierung des Working Capital ein echter Engpass geworden. 

Aus meiner Werkstatt: Diese Publikation ist häufig work in progress. Anfang Mai sprach ich auf der Flame (war übrigens insgesamt ganz spannend) das erste Mal über die Schwierigkeit, den Speicher Haidach in Versorgungssicherheitskonzepte einzubinden. Im Laufe des Monats ergaben sich dann weitere Gespräche, aber auch öffentlich zugängliche Entwicklungen. Ich habe das Thema in der Rubrik Marktgerüchte belassen, auch wenn der Gerüchteanteil im Laufe des Monats abnahm. 

Zum Schluss: Seit Ende 1996 beschäftige ich mich mit dem deutschen Gasmarkt. Dennoch habe ich in dieser Publikation konsequent über den Speicher „Rheden“ berichtet. Aber den Speicher gibt es nicht, dafür den Speicher „Rehden“. So soll es denn auch in Zukunft sein. 

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THEMA DES MONATS Gazprom Export versus Gazprom Germania

Am 11. Mai erfolgte die nächste Drehung der Eskalationsschraube im deutsch-russischen Gasverhältnis. An dem Tag wurde ein Dekret des russischen Präsidenten Wladimir Putin vom 3. Mai bekannt. Russischen Organisationen und Unternehmen wurden die Geschäfte mit 31 einzeln aufgeführten Unternehmen untersagt. 30 Gesellschaften gehören zur Gazprom Germania Gruppe (GPG) – darunter auch die Holding selbst. Dazu kommt Europol, der Betreiber des polnischen Abschnitts der Jamal-Nord. Europol ist ein Joint Venture der staatlichen polnischen Gasgesellschaft PGNiG (52 Prozent) und Gazprom (48 Prozent). Dazu später noch einmal.

Betroffen von den Gegensanktionen sind auch WINGAS, Wintershall Erdgashandelshaus (WIEH) und astora. Die einzige wesentliche GPG-Gesellschaft, die auf der Liste fehlte, war die WIGA Transport Beteiligungs GmbH (WIGA). An WIGA sind Gazprom Germania und Wintershall DEA jeweils zu 50 Prozent beteiligt. Das Joint Venture hält die Beteiligungen an den Fernleitungsnetzbetreibern GASCADE, OPAL Gastransport und NEL Gastransport...

Energiesicherungsgesetz (EnSiG)

Im Mai haben Bundesrat und Bundestag der Novelle des Energiesicherungsgesetzes (EnSiG) zugestimmt. Die meisten Diskussionen und Änderungen gab es bezüglich des Preisanpassungsrechts gemäß § 24. Wenn die Alarm- oder die Notfallstufe ausgerufen wurde und es zu einer „erheblichen Reduzierung von Gasimportmengen“ kommt, dürfen die dadurch entstehenden höheren Beschaffungspreise durch die Lieferkette weitergegeben werden (ener|gate Gasmarkt 05/22). Die Idee: Wenn es zu einer Reduktion der Importmengen kommt, müssen die Importgesellschaften zu hohen Preisen diese Mengen durch Käufe am Handelsmarkt ersetzen (der Preis kann auch unendlich werden). Um eine Insolvenz der Unternehmen zu verhindern, sollen die entsprechenden höheren Preise durch die Lieferkette bis zum Endkunden weitergereicht werden. Im Gesetzgebungsprozess wurde versucht, diese Erhöhungsmöglichkeiten zu konkretisieren, zu begrenzen und zeitlich zu befristen...

REPowerEU

Im März hatte die Kommission in einer Mitteilung an den Rat und das Parlament die Grundzüge eines Konzeptes zur Reduktion der Abhängigkeit von russischen fossilen Energieträgern (REPowerEU) vorgelegt (ener|gate Gasmarkt 03 und 04/22) veröffentlicht. Neben der Substitution russischer Energie durch neue Lieferquellen war die Beschleunigung der Dekarbonisierung des Energiesystems ein wesentlicher Ansatzpunkt. In einer neuen Mitteilung vom 18. Mai hat die Kommission ihre Vorhaben weiter konkretisiert. Aus einer gaswirtschaftlichen Sicht sind vier Punkte interessant: Die EU richtet eine Energieplattform zur Bündelung der Nachfrage von Erdgas und Wasserstoff ein. Erste Aktivitäten wurden gestartet. Kurzfristig soll eine Nachfrage von 30 bis 70 Milliarden m3 gepoolt werden. Dies könnte der erste Schritt für eine freiwillige gemeinsame Beschaffung sein...