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energate Gasmarkt Ausgabe 08+09|2021

Thema des Monats: Interview mit Axel Wietfeld, Leiter der Uniper-Geschäftseinheit Wasserstoff

Dr. Heiko Lohmann Dr. Heiko Lohmann

Auch wenn die Pandemie nicht vorbei ist, konnte man teilweise den Sommer genießen. Ich hoffe, Sie konnten es! Mir ist bewusst, dass dies aufgrund extremer Wetterlagen in Teilen von Deutschlands und Belgiens sowie in den Anrainerstaaten des Mittelmeers nicht der Fall war.

Extrem waren auch die Entwicklungen an den Gashandelsmärkten. Für den Frontmonat wurden Rekordpreise aufgerufen, die Preise folgten der Preisrallye in Asien. Die hohe Gasnachfrage in Nordostasien – aber auch Lateinamerika – ist ein wesentlicher Treiber. Dazu kommen „europäische“ Faktoren. „Neu“ ist aber im Grunde das Verhalten von Gazprom Export. In den vergangenen Jahren hat der russische Gaskonzern als eine Art „Swing-Anbieter“ für Mengenausgleich gesorgt. In diesem Jahr kann oder will Gazprom Export dies nicht. An den beobachtbaren Phänomenen arbeite ich mich seit Monaten ab. Auch diese Ausgabe enthält dazu eine längliche Übersicht.

In dem monatlichen Preisreport wird zudem berichtet, wie die Preise auf „Wasserstandsmeldungen“ zu Kapazitätsbuchungen, Gasflüssen und vermeintlichen Nachrichten zu Nord Stream 2 reagieren. Spoiler: Hektisch! Die hohen Preise haben zudem zwei Effekte: Die Mark-to-Market-Bewertung offener Positionen lassen Kreditlinien zwischen Handelspartnern schmelzen. Dies erschwert unter anderem die Beschaffung. Aus Sicht einiger Marktteilnehmer ist dies das aktuell größte Problem. Zudem erwarten Alle, dass Anbieter – auch Stadtwerke – Schwierigkeiten bekommen. Dies gilt für Unternehmen, die viel Spot beschaffen. Viele Vertriebsgesellschaften, auch das höre ich immer wieder in Gesprächen, sind seit 2018 vorsichtiger geworden, aber nicht alle. Ich kenne einen Anbieter, der Probleme hat. Da er mir gegenüber aber noch nicht Stellung nehmen konnte, wird der Fall in den Marktgerüchten vorerst nur anonym berichtet. Trotz allem, Thema des Monats ist ein langes Interview – das Sommerinterview ist bei mir mittlerweile Tradition - mit Axel Wietfeld zu den Wasserstoffaktivitäten von Uniper. Dabei habe ich viel gelernt.

Wasserstoff ist auch sonst ein wichtiges Thema in dieser Ausgabe. Manchmal gibt es doch noch klassische Themen, die bewegen: GasVersorgung Süddeutschland gibt seine Bilanzkreiskooperation BIKpool auf. Ich war überrascht über die Zahl der Anrufer, die mich nach einer Alternative gefragt haben.

Thema des Monats: Interview mit Axel Wietfeld, Leiter der Uniper-Geschäftseinheit Wasserstoff

Uniper arbeitet von den deutschen Unternehmen in der Energiewirtschaft vermutlich am konsequentesten an der Entwicklung eines Wasserstoffgeschäftsfelds. In den Präsentationen für Investoren taucht das Thema erstmals bei der Vorstellung des Geschäftsergebnisses für das erste Halbjahr 2019 auf. Damals gab es ein erstes Projekt, die Beteiligung an dem Energiepark Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt). Gemeinsam mit Terrawatt, einer Ingenieurgesellschaft der VNG, sowie den VNG-Töchtern, VNG Gasspeicher und Ontras, sowie dem DBI – Gastechnologisches Institut soll in Bad Lauchstädt die gesamte Wertschöpfungskette für grünen Wasserstoff aufgebaut werden. Das Projekt hatte die erste Runde des Förderprogramms Reallabore der Energiewende erfolgreich gemeistert. Ende 2020 wurde der finale Förderantrag gestellt. Die Projektpartner warten nun auf den Bescheid, der schon für Mitte 2021 erhofft wurde (ener|gate Gasmarkt 05/21).

Aber zurück zu Uniper. 2020 hat sich die Projekt-Pipeline deutlich gefüllt, die Uniper im Rahmen des Fortum Capital Market Days im Dezember 2020 präsentiert hat. Seit Ende 2020 sind weitere Projekte dazugekommen. Axel Wietfeld leitet die Mitte 2020 gegründete Geschäftseinheit Wasserstoff (ener|gate Gasmarkt 07/20) und ist Geschäftsführer von Uniper Hydrogen GmbH. ener|gate Gasmarkt hat mit ihm über Unipers Wasserstoffgeschäft gesprochen.

RahmenbedingungenRegulierung von Wasserstoffnetzen

In der vergangenen Ausgabe wurde über die EnWG-Novelle mit der neuen Regulierung von Wasserstoffnetzen berichtet. In dem Bericht hieß es, lediglich in einem zusätzlichen Entschließungsantrag werde die Bundesregierung aufgefordert, eine gemeinsame Regulierung von Gas- und Wasserstoffnetzen vorzunehmen, sobald ein geänderter europäischer Rechtsrahmen dies ermögliche. Dieser Entschließungsantrag wurde schon im Mai zwischen den Koalitionsparteien als Kompromiss vereinbart. Dieser Bericht war nicht ganz korrekt oder vollständig. Auch im EnWG ist eine gemeinsame Regulierung als Zielbild aufgenommen. Und auch dies war schon im Mai vereinbart worden: Der neue §112 b EnWG verpflichtet die Bundesregierung, ein Konzept zum weiteren Ausbau des deutschen Wasserstoffnetzes vorzulegen (ener|gate Gasmarkt 03/21). Gegenüber dem Entwurf vom Februar, der diesen Paragrafen schon enthielt, wurde der Termin für diesen Bericht vom 30. Juni auf den 31. Dezember 2022 verlegt.

Zudem soll dieses Konzept nun „vor dem Hintergrund des Ziels einer Anpassung des regulatorischen Rahmens zur gemeinsamen Regulierung und Finanzierung der Gas- und der Wasserstoffnetze“ erarbeitet werden. Auf diesen Passus bezieht sich die eher optimistische Einschätzung einiger gaswirtschaftlicher Verbände, dass am Ende des Tages eine gemeinsame Regulierung von Gas- und Wasserstoffnetzen erreicht sei. Mit einer solchen optimistischen Einschätzung sei hier der DVGW-Präsident Michael Riechel, im Hauptberuf Thüga-Vorstandsvorsitzender, zitiert: „Das Parlament hat mit seiner Entscheidung zur Novellierung des EnWG und der damit verbundenen gemeinsamen Regulierung und Finanzierung von Wasserstoff- und Gasnetzen einen großen Knoten durchschlagen.“...